Breitbandinitiative des Katastrophenschutzes
05.09.2010 11:59 von Jürgen Lindemann
Bei einer gemeinsamen Ausbildung der Unterstützungsgruppe Sanitätseinsatzleitung (UG-SanEL) und der Unterstützungsgruppe Örtliche Einsatzleitung (UG-ÖEL) am Zabelstein wurde wieder der Ernstfall geprobt.
Die letzten Großschadensfälle haben wieder eines verdeutlicht: Sind viele Menschen und Einsatzkräfte auf einem engen Bereich konzentriert, stoßen die modernen Kommunikationsmittel an ihre Grenzen. Handynetze brechen zusammen und Telefonverbindungen in Festnetze sind nicht immer sofort verfügbar. Eine Datenkommunikation, die auch immer mehr Anwendung im Katastrophenschutz findet, ist damit kaum möglich. Die Unterstützungsgruppen des Landkreises Schweinfurt haben sich daher wieder auf eine alte Technik zurückbesonnen, die schon in den 1950er Jahren zum militärischen Einsatz kam: Der Feldkabelbau.
Im Feldkabelbau werden Telefonleitungen durch eigene Kräfte durch das Einsatzgebiet verlegt. Genutzt werden zum Schutz der Telefonleitungen Gräben und Wege, aber auch das freie Feld. An Wegekreuzungen müssen eigene Leitungsböcke aufgebaut oder aber die Leitung an Bäumen befestigt werden. Was sich einfach anhört, braucht System, denn die dünnen Telefonleitungen sind schnell beschädigt. Besonderes Augenmerk muss darauf gelegt werden, dass Fußgänger nicht über die Leitungen stolpern können. Auch müssen die Leitungen so geschützt werden, dass Fahrzeuge diese nicht beschädigen können.
Die Grundausbildung der Helfer zu diesem Thema fand an einem Wochenende im Herbst 2007 statt. Die diesjährige Fortbildung stand unter dem Zeichen, die eigentliche Sprachverbindung zukünftig auch als Datenverbindung nutzen zu können. Dazu wurden nach erfolgreichem Kabelbau entsprechende Modems in die Telefonleitungen eingesetzt, die eine Datenverbindung zwischen einem weiter entfernten Einsatzabschnitt zur Einsatzleitung ermöglicht. Zeitgleich wurde eine weitere technische Möglichkeit getestet: Die Anbindung des Feldkabelnetzes an die Mobilfunktechnik der Einsatzleitfahrzeuge.
Stefan Funck, stellvertretender Landesfachdienstführer Information und Kommunikation im BRK, wies die Helferinnen und Helfer von Feuerwehr, THW, BRK und Malteser in die technischen Voraussetzungen für den Feldkabelbau ein. Insgesamt rund 1.600 Meter Feldkabel wurden sodann von den Helfern im Wald rund um das THW-Gelände am Zabelstein verlegt.
„Bis jetzt habe ich den Dateneinsatz über Feldkabel auch nur zwei Mal gesehen.“, so Stefan Funck. Am Zabelstein wurde ein drittes Mal hinzugefügt. Nach kurzen Anlaufschwierigkeiten mit einer Technik, die 1954 gebaut älter als die Eltern der übenden Helfer sein dürfte, stand auch die Datenverbindung zum Einsatzabschnitt Aussichtssturm Zabelstein. Doch nicht nur die Datenverbindung zur Einsatzleitung funktionierte, auch die Internetanbindung der abgesetzten Einsatzabschnitte über den Einsatzleitwagen stellte kein Problem dar.
„Wir sind uns bewusst, dass der Feldkabelbau keinen schnellen Aufbau der Kommunikation zulässt. Aber letztlich wird die Frage entscheiden, ob eben keine Datenverbindung oder aber eine Datenverbindung nach zwei Stunden zur Verfügung steht.“, so der Fachberater für den Bereich der Information und Kommunikation im Landkreis Schweinfurt Thomas Englisch. Dem stimmte Willi Pelzeter zu, der als IuK-Ausbilder des BRK Miltenberg-Obernburg die Fortbildung unterstützte. „Großen Vorteil bietet diese äußerst zuverlässige Technik gerade bei planbaren Einsätzen.“, so Pelzeter und meint damit beispielsweise große sanitätsdienstliche Einsätze. Auch hier wieder Zustimmung: Christian Margraf, Helfer des MHD in der UG-SanEL und als Helfer auch bei der Loveparade 2010 in Duisburg eingesetzt, berichtete von der Wichtigkeit des Feldkabelbaus. „Gerade in der ersten Chaosphase des Einsatzes war die telefonische Erreichbarkeit zu den einzelnen Behandlungsplätzen wichtig. Auf das Handynetz war da kein Verlass mehr.“
Foto: Personelle Vielfalt als Markenzeichen: Ein Feldkabel-Bautrupp mit Katastrophenschützern des BRK, des MHD, der Feuerwehr und des THW am Zabelstein, ganz rechts Ausbilder Stefan Funck (Foto: BRK Schweinfurt)